Live Pokerturniere im Casino
Pokerspieler behaupten stolz von sich, dass sie die einzigen
Glücksspieler sind, die erwarten können ein Casino mit Gewinn zu
verlassen. Denn Poker ist das einzige Spiel in Casinos, bei dem man
nicht gegen das Haus, sondern gegen andere Spieler spielt.
Es gibt aber eine Form des Pokerns in Casinos, bei der die Spieler nicht
unbedingt erwarten können einen Profit zu machen. Diese Form von Poker
sind Pokerturniere mit niedrigen Buy-ins, wie zum Beispiel die 75 EUR
Buy-in Rookie-Turniere der Spielbank Wiesbaden. Es gibt drei Gründe
wieso diese Turniere nicht mehr als ein glorifiziertes Bingospiel sind.
Erstens sind die Turniergebühren oft zu hoch. Um mit dem Pokerspielen
langfristig einen Gewinn zu machen, muss man nicht nur die anderen
Spieler schlagen können, sondern auch den Rake bzw. die Turniergebühren.
Wenn die Gebühren eines Pokerraums zu hoch sind, dann wird es sehr
schwer für einen Spieler zu gewinnen, selbst wenn er der beste Spieler
ist.
Ein bestimmter Anteil des Buy-ins wird von dem Preisgeld ausgeschlossen
und als Gebühr für die Organisation des Turniers verwendet.
Normalerweise entspricht die Gebühr bei Online-Turnieren etwas weniger
als 10% des Preisgeldes. Im Gegensatz dazu beträgt die Gebühr von
Casino-Turnieren oft um die 20% des Preisgeldes. Grund dafür sind die
erhöhten Kosten die ein Casino zu decken hat, um solch ein Pokerturnier
zu veranstalten.
Online-Pokerspieler sind gewöhnt die Turniergebühr separat vom Buy-in
angegeben zu bekommen. Zum Beispiel haben die meisten Online-Turniere
mit einem $100 Buy-in eine Turniergebühr von $9 und werden als $100+$9
Turnier beworben. Abgesehen von den $9 Gebühr, geht der Rest des Geldes
in das Preisgeld.
Bei Pokerturnieren in Casinos wird nur selten die Turniergebühr separat
angegeben. Zum Beispiel findet jede Woche im Mirage in Las Vegas ein
$130 Buy-in Turnier statt. Da die Casinos nicht gerne angeben wie viel
sie als Gebühr einbehalten, mussten wir etwas recherchieren und
nachrechnen, um herauszufinden wie viel sie wirklich kassieren. Von $130
gehen $97 in das Preisgeld und $33 behält das Casino. Wenn das Casino
aber das Turnier als ein $97+$33 Buy-in Turnier angeben würde, dann
würde kein wertorientierter Spieler daran teilnehmen. Ähnlich wie
Black Jack, haben diese Turniere keinen monetären Wert, sondern sollten
einfach nur Spaß machen.
Es gibt einen weiteren Trick, wie die Casinos in Las Vegas versuchen ein
paar extra Dollar zu machen, ohne dass es jemand merkt, es sei denn er
liest das Kleingedruckte. Im Bellagio Casino in Las Vegas findet jede
Woche ein populäres $1000+$60 Buy-in Turnier statt, welches scheinbar
eine Standardgebühr verlangt. Wenn man sich aber auf der Website das
Kleingedruckte durchliest, stellt man fest, dass das Casino weitere 3%
des Preisgeldes für das Personal einbehält. Diese Information wird nicht
transparent gemacht, sondern steht nur im kleingedruckten Teil auf der
Website des Casinos. Auf einmal wird das attraktive $1.000+$60 Buy-in
Turnier zu einem weniger attraktiven $970+$90 Buy-in Turnier.
Die Turnierstruktur ist ein weiterer Faktor, den es zu berücksichtigen
gilt. Man bedenke bitte, dass Poker nur profitabel ist, wenn man die
anderen Spieler schlagen kann. Wenn man besser als die anderen Spieler
ist, dann braucht man auch etwas Freiraum in Form von Zeit, um
manövrieren und seine Fähigkeiten ausspielen zu können. Leider
gewähren die meisten Casino-Turniere mit kleinen Buy-ins keinen
zeitlichen Freiraum, weshalb der Faktor Glück bei solchen Turnieren
dominiert.
Zum Beispiel das Wynn, eines der schönsten Casinos in Las Vegas, bietet
ein $105+$25 Sit-and-Go Turnier an. Wir übersehen jetzt mal, dass die
Gebühr von 19% das Turnier sowieso unattraktiv macht und konzentrieren
uns nur auf die Turnierstruktur. Jeder Spieler erhält am Anfang 1000
Startchips und die Blinds beginnen bei furchterregenden 25/25 Chips. Da
sich die Blinds alle 15 Minuten erhöhen, erreicht man bereits nach einer
halben Stunde das 50/100 Blindlevel. Bei solch einer Blindstruktur nützt
es einem kaum etwas, wenn man ein besserer Pokerspieler als der
Durchschnitt ist. Es geht nicht um das Geschick eines Spielers bei solch
einem Turnier, wenn die einzige preflop Entscheidung "all-in" oder
"fold" ist.
Drittens gibt es noch eine weitere Besteuerung des
Gewinners des Turniers. Es wird von einem Spieler, der viel Geld
gewonnen hat, erwartet, den Dealern ein Trinkgeld zu geben. Man bedenke,
dass die Casinos teilweise bereits 3% für das Personal einbehalten.
Damit man nicht als Sparschwein oder Geizhals angesehen wird, sollte man
2% bis 4% des Gewinns als Trinkgeld geben. Es gehört zwar zur guten
Etikette Trinkgeld zu geben, aber letztendlich vermindert es doch wieder
den Gewinn.
Mit Casino-Turnieren einen Gewinn zu machen ist als doch etwas
schwieriger als so mancher vielleicht gedacht hat. Manche Casinos haben
eine gute Turnierstruktur und akzeptable Gebühren. Hier kann ein guter
Pokerspieler erwarten mit einem Gewinn das Casino zu verlassen. Zu
diesen Turnieren gehören zum Beispiel die großen Turniere der WSOP die
mehrere Tage andauern. Die meisten kleinen Buy-in Turniere gehören aber
nicht dazu.
Um zum Abschluss noch mal zu zeigen wie sinnlos solche Turniere sind,
wollen wir darauf hinweisen, dass es nicht nur darauf an kommt einen
Gewinn zu machen, sondern auch auf den Stundensatz. Wir nehmen dafür an,
dass wir so gut sind das wir einen ROI (Return On Investment) von 10%
bei kleinen Buy-in Turnieren haben. Als Stundenlohn würden wir dann
immer noch nicht so viel verdienen wie ein Sechszehnjähriger, der bei
McDonalds arbeitet. Mit einem ROI von 10% machen wir gerade mal $30 pro
$300 Turnier. Wenn man fünf von diesen Turnieren pro Woche spielen
würde, würde man nur $7.800 pro Jahr verdienen.
Und was lernen wir daraus? In Casinos Pokerturniere zu spielen ist fast
das gleiche wie Black Jack zu spielen. Bitte beachtet, dass wir nicht
gesagt haben ihr solltet nicht
Black Jack spielen. Denn Black Jack kann
Spaß machen und einen Abend sehr unterhaltsam füllen. Es sei denn man
verzockt alles was man hat. Die meisten Pokerturniere in Casinos sollte
man ähnlich betrachten.
